Ein Platz für Dich

Jahresthema 2015

Bibeltexte

Wo und wie können sich Menschen als aktive Mitgestalter/-innen der biblischen Botschaft erleben?

Akzeptieren die Menschen Unterschiede in ihrer Religiosität und Glaubenspraxis?

Wird die Bibel genutzt, um sich die Situation von Menschen bewusst zu machen, die von Ausgrenzung bedroht sind?

Kann sich in Gebeten, Predigten und anderen geistlichen Äußerungen jeder Mensch in einer Vielfalt von Rollen wiederfinden? 

Gott liebt die Vielfalt

Der 6. Schöpfungstag
Werner Kothe: Glastafel „Der 6. Schöpfungstag“

Es wimmelt nur so. Die erste Seite der Bibel beschreibt eine unglaubliche Vielfalt im Wasser, auf der Erde, unter dem Himmel. Lebendig soll es zugehen zwischen Himmel und Erde. Jedes Wesen hat sein Recht neben dem anderen, kein Wesen mehr, kein Wesen weniger. Einziger Sinn und Zweck: Füllt die Erde, die Luft und das Wasser, bringt Leben hinein, Farbe und Klang.

Neid unter Brüdern

Doch bereits zwei Seiten weiter gönnt einer dem anderen seinen Platz nicht. Dass der Platz des Bruders Gott näher sein könnte, führt zum ersten Mord unter den Menschen. Dennoch. Gott verweigert auch dem Schuldigen nicht seinen Platz im Leben.

Auf weitem Raum

Es ist genug Platz. Diese Vision zieht sich wie ein roter Faden durch die hebräische Bibel und weiter durch das zweite biblische Buch. So stellt sich Gott das Miteinander vor, so hören und erleben es Menschen mit ihm. Der Psalmendichter besingt den weiten Raum, das Volk Israel schreibt in sein Gesetz, Fremden einen Platz zu geben.  

Ein Platz unter dem Himmel

Dann kam einer, setzte sich an ihre Tischen, redete oder diskutierte in ihren Häusern. Die Menschen vergaßen, dass eigentlich sie die Gastgeber waren. Hauptsache, sie hatten einen Platz an seiner Seite. Er selbst hatte kein Haus, keinen Tisch, an den er einladen konnte. Er versammelte die Menschen unter freiem Himmel. Für einen Augenblick deutete sich mitten unter ihnen dieser Himmel an. In seinen Worten und in seiner Nähe, an seiner Seite war Platz für sie und für das, was sie bewegte, für ihre Fragen und ihre Begabungen. 

Oftmals waren es diejenigen, die im Alltagsleben keinen Platz gefunden hatten, ja, denen man einen Platz verwehrte: Menschen, die man wegen ihrer Krankheit mied, Menschen, von denen man sich betrogen fühlte, Menschen, die moralischen Prinzipien nicht entsprachen, Menschen, die religiösen oder gesellschaftlichen Ansprüchen nicht genügten.

Platz machen an Gottes Seite

Der Mann aus Nazareth hatte einen Platz für sie. Damit hat er ihnen geholfen, ihren Platz in der Gemeinschaft neu wahrzunehmen. Und er hatte dabei nichts anderes im Sinn, als den Menschen die Einladung Gottes weiterzugeben: Du hast einen Platz an meiner Seite.

Als allerdings seine Freundinnen und Freunde meinten, sie hätten ein Recht auf einen besonderen Platz, musste er sie enttäuschen. Nicht Platz nehmen, sondern Platz geben, so seine Botschaft.

Die Einladung haben sie weitergegeben. Die Menschen in den ersten Gemeinden machten Platz für jeden und jede. Wo das vergessen wurde oder Egoismus und Neid einen Platz einnahmen, erinnerten sie sich gegenseitig an Gottes Vision. So zum Beispiel in der Hafenstadt Korinth. Bei ihren dortigen Versammlungen hatten die Bürgerlichen den Arbeitern oftmals bereits den Tisch leer gegessen.

Du wirst gebraucht

Immer wieder weist der Gemeindegründer Paulus in seinen Briefen darauf hin und wo nötig ermahnt er: Jeder Mensch hat seinen Platz in der Gemeinde. So vergleicht er zum Beispiel die Gemeinde mit einem Körper, in dem jedes Teil seine Aufgabe hat und von den anderen gebraucht wird.

Eine Auswahl an Bibeltexten

Die Vielfalt der Schöpfung:

1. Mosebuch, Kapitel 1

Der Neid unter Brüdern:

1. Mosebuch, Kapitel 4, Verse 1-16

Platz für Fremde:

3. Mosebuch, Kapitel 19, Verse 33+34

Nicht das Ansehen zählt:

1. Buch Samuel, Kapitel 16, Verse 1-13

Weiter Raum:

Psalm 31

Friedensvision:

Jesaja, Kapitel 11, Verse 1-9

Der Zöllner Zachäus:

Evangelium nach Lukas, Kapitel 19,
Verse 1-10

Der Blinde am Straßenrand:

Evangelium nach Markus, Kapitel 10, 46-52

Jesus sah ihn an und liebte ihn:

Evangelium nach Markus, Kapitel 10, 17-27

Kommt!:

Evangelium nach Matthäus, Kapitel 11,
Verse 25-30

Wartet aufeinander:

1. Brief an die Korinther, Kapitel 11,
Verse 17-22 und 33

Jeder hat seinen wichtigen Platz:

1. Brief an die Korinther, Kapitel 12,
Verse 1-27